Schwestergeburtstagsmenü – Teil 2, Hauptgang: Welsfilet auf Fenchelgemüse mit Cherrytomaten und Couscous

19. 11. 2007 at 13.54 7 Kommentare

Wels Illustration - Foto: WikipediaHeute liefere ich den zweiten Teil des Berichts über das Geburtstagsessen am 16.11.

Prolog: Der Fisch und ich (Klicke hier, um die spannende Backstage-Story zu überspringen und direkt zum Rezept zu gelangen)

Als Hauptgang hatten meine Schwester und ich uns auf Fisch geeinigt. Leider bin ich überhaupt kein Experte bei Fisch (bei Fleisch als Schnellundschmutzigfeierabendkoch, der ich bin, ja eigentlich auch nicht), so dass ich auf den Verkäufer im Feinkostladen angewiesen war. Er überzeugte mich, Filets vom Wels einzukaufen. Ich fand das interessant – sie sahen nämlich wirklich gut aus zwischen den Kabeljaufilets und ganzen Doraden. Nur hatte ich noch keinen Plan, wie ich den Fisch zubereiten sollte. Das war am Donnerstagabend. Morgens habe ich dann testweise ein Stück in Alufolie mit einer Zitronenscheibe, Dill und ein bisschen Chili gedämpft und war vollkommen enttäuscht, weil er gar nicht nach Meer schmeckte und auch die Konsistenz sehr unangenehm war.

Wikipedia klärt auf. Der Wels ist gar kein Meeresfisch, sondern ein heimischer Süßwasserbewohner. Als ich vor ein paar Tagen ein Urlaubsvideo aus China von einem Kollegen sah, auf dem man einen wie Spanferkel zubereiteten Kampfhund sah, dachte ich noch: Interessant, interessant. Bei uns werden gar keine Raubtiere gegessen. Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, Hirsche, Gänse – alles eher Pflanzenfresser. Ich hatte die Fische vergessen! Und der Wels ist ein ganz besonderes Raubtier. Wikipedia:

Er ernährt sich vor allem von Fischen, aber auch von Würmern, Schnecken, Insekten, Krebsen und mit zunehmender Größe auch von Fröschen(!), Mäusen(!!), Ratten(!!!!) und verschiedenen am Wasser lebenden Vögeln, wie Enten.

Das klingt ja erstmal nach sehr gehaltvollem Fleisch. Aber außer Forelle hatte ich noch nie einen Süßwasserfisch verarbeitet und ich war mir nach meiner Testportion sicher: der schmeckt einfach nicht! Mein Gott! Es war inzwischen schon elf Uhr vormittags und das Essen sollte in sieben Stunden beginnen, und es gab ja auch noch die anderen Gänge. Schweißüberströmt suchte ich im Internet nach Hinweisen, was man mit Wels machen kann. Komischerweise fand ich viel und die Leute lasen sich ziemlich begeistert von dem Fisch.

Nachdem ich mir trockene Klamotten angezogen hatte, beschloss ich, aufs Ganze zu gehen, und den Fisch auf einem Gemüsebett mit Kräutern zu dünsten. Dazu gab es wie geplant meine Lieblingsbeilage Couscous und als Extragemüse Hälften von Cherrytomaten. Um es vorweg zu nehmen: die von mir beobachtete schlimme Konsistenz des Fischs lag alleine an meiner Ungeduld. Er war einfach noch nicht gar gewesen.

Welsfilet
Foto: Scholli2000 (Im Eifer des Gefechts habe ich offensichtlich nicht genügend Aufmerksamkeit auf das Foto verwandt.)

Das Rezept

  • Filets vom Wels abwaschen und mit Salz, Pfeffer und Zitrone einreiben.
  • Fenchel, Zwiebeln, Möhren kleinschneiden und in ein tiefes Backblech (Fettpfanne) geben.
  • Weißwein und gesalzenes Wasser zum Gemüse geben und
  • einige Zitronenscheiben und Gewürze (Dill, Zitronenthymian, Rosmarin, Majoran, Pfeffer) dazu.
  • Im Backofen habe ich das Gemüse kurz vorgaren lassen und dann die Fischfilets darauf gelegt.
  • Das Ganze wurde mit Alufolie abgedeckt, damit nicht zuviel Flüssigkeit verloren geht und vor allem der Fisch nicht austrocknet.
  • Tja, das war’s schon: Bei 150°C habe ich den Fisch garen lassen. Toll: ich konnte die Restwärme vom vorherigen Hackbratenbraten nutzen. Weniger toll: es war noch viel zu früh! Also habe ich den Backofen wieder ausgeschaltet und der Fisch zog bei wenig Hitze gar.
  • Als die Zeit endlich reif war, wurde der Backofen wieder hochgedreht und ein zweites Backblech hineingeschoben, auf dem sich
  • Olivenöl,
  • Cherrytomaten,
  • Salz und viel Rosmarin befanden.
  • Als alles heiß war und die Kirschtomaten oben leicht angebrutzelt (die Infrarotgrillschaltung des Backofens konnte hier gute Dienste verrichten – auf dem Foto handelt es sich allerdings bei der schwarzen Stelle auf der Tomate nicht um eine verbrannte Stelle, sondern um einen Tropfen Balsamicocreme) musste ich fast nur noch anrichten.
  • Der Fischsud wurde durch ein Sieb geschüttet und mit reichlich kalten Butterstücken aufmontiert. Das gibt eine gewisse Bindung.
  • Die Filets kamen auf die Teller mit je fünf Cherry-Tomaten mit kross gebratenen Rosmarinnadeln.
  • Dazu gab es mit Safran und einem Stich Butter in Salzwasser gequollenes Instant-Couscous (nur Couscous, nicht etwa ein Fertiggericht mit Gemüse!) als Beilage und
  • zum Schluss den gebundenen Fischsud und etwas von dem Fenchelgemüse dazu. Dieses war für meinen Geschmack durch die Zitronenscheiben und den Weißwein etwas zu sauer. Mein Teenagerbruder hatte gar das Pech, ein Stück Zitrone samt Schale auf dem Teller zu haben, was zu einem schlimmen Punkteabzug (wir sind Voxzuschauer :-) führte.

Das improvisierte Fischgericht gefiel uns sonst sehr gut. Die Filets waren trotz der sehr independenten Kochweise wirklich perfekt und auch das Sößchen war schmackhaft, so dass ich mehrmals Nachschlag gewähren durfte. Dies kann aber auch daran gelegen haben, dass ich bei den Vorspeisen etwas knapp kalkuliert hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Siehe auch: Teil eins: Hackfleischpastete mit Zitronensößchen und Salat

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Entry filed under: Küche, pseudo-deutsch, Rezepte, Verwandte der Scholle.

Schwestergeburtstagsmenü – Einleitung und Teil 1, Zwischengang: Mediterrane Pseudopastete an Lollo Rosso mit Zitronensößchen Schwestergeburtstagsmenü – Teil 3, Vorspeise: Erbsenschaumsüppchen mit Krabben

7 Kommentare Add your own

  • 1. Jutta  |  19. 11. 2007 um 17.21

    In Mönchengladbach an einem Weiher soll ein Wels vor ein paar Jahren mal einen Yorkshire-Terrier gefressen haben… Kuno hieß er, der Wels, wurde aber trotz groß angelegter Suchaktion niemals gefunden… Du warst nicht zufällig in MG am Stadtwaldweiher?

    Das Rezept gefällt mir – und man kann den Fisch ja super vorbereiten…

    Antwort
  • 2. tomarcte  |  19. 11. 2007 um 17.33

    hey scholli!
    mehr backstagegeschichten zu den rezepten bitte!!! :)
    im übrigen mag ich ja fischstäbchen besonders gern. banause ich.

    Antwort
  • 3. Jenni  |  19. 11. 2007 um 18.31

    @Jutta: Sollte dies der besagte Wels gewesen sein, muß der Koch aber dann mehr als ein Stück vorgekostet haben… Demnächst wird wahrscheinlich ein Pferd auf ungeklärte Weise an (in!) dem Weiher verschwinden.

    Dieser Gang war, wie schon in meinem Hackfleischpasteten-Kommentar gesagt, ganz hervorragend. Und obwohl es stimmt, dass das Fenchelgemüse (ich kann immer noch nicht glauben, dass ich Fenchel anders als als Tee oder Kamellsche mag!) etwas sauer war: Die Kombination hat’s gemacht! Zusammen mit etwas Couscous, einem Tomatenstückchen und dem Fisch war das ein Geschmackserlebnis. Besonders toll fand ich auch die knusprigen Rosmarinnadeln dazu. Ich überlege schon, ob ich mal ’ne Backtomatenknuspernadeldiät machen soll, weil alleine das schon so vorzüglich mundete.
    Auf jeden Fall werde ich demnächst Gäste zum Wels bei mir laden.

    Haaach, und gut gerochen hat das! Ich will zurüüüüüüüüüüüück!

    Antwort
  • 4. scholli2000  |  19. 11. 2007 um 18.45

    Schade, dass der Kerl schon filettiert war. So kann ich gar nicht sagen, ob er eher der Pony- oder der Hündchenfressklasse zuzuordnen war. Ich meine aber im Abgang eine feine Nasserhundnote geschmeckt zu haben.

    Tomarcte, ich fürchte die Story zum Nachtisch wird nicht ganz so spektakulär. Vannilleeis ist strikt vegan.

    :-)

    Antwort
  • 5. Jutta  |  19. 11. 2007 um 23.09

    :-)))

    Antwort
  • […] Teil zwei: Hauptgericht: Welsfilet mit Tomätchen und Couscous […]

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  • […] Teil zwei – Hauptgericht: Welsfilet mit Tomätchen und Couscous […]

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